Sollten Sie die Möglichkeit haben, ein Aquarium an Ihrer
Schule einzurichten, so ist das eine Entscheidung, die zwar wohl überlegt sein
muss, aber gleichzeitig zahlreiche Vorteile bietet, von denen Ihre
Schüler*innen profitieren können:
Zwar existiert noch wenig Forschung in Bezug auf den pädagogischen Mehrwert von
Fischen im Speziellen, jedoch wurde der Umgang mit Tieren bereits in einigen
Studien intensiv erforscht und zeigte sich aus mehreren Gründen förderlich für
die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen3. Die
Verantwortung für ein Lebewesen wirkt sich dabei positiv auf das Selbstbild aus
und fördert die Schüler*innen in ihrer Selbstständigkeit. Natürlich müssen
Aufgaben je nach Alter noch durch die Lehrkraft angeleitet und kontrolliert
werden, dennoch trägt ein Tier in hohem Maße zur Entwicklung von
Selbstwirksamkeit bei. Das Beobachten und der Umgang mit dem Tier hat eine entspannende
Wirkung auf die Schüler*innen und hilft nicht nur bei der Selbstregulation,
sondern auch bei der Konzentrationsfähigkeit. So kann die Rücksichtnahme auf
ein anderes Lebewesen bei Entwicklung von Alltagsstrategien helfen, die auch im
Schulalltag angewandt werden können. Da der siamesische Kampffisch einzeln
gehalten werden sollte und durch seine Farbenpracht möglicherweise einen
sympathischen Eindruck erweckt, ermöglicht dies eine besondere Bindung der
Schüler*innen zu ihrem Klassenfisch.
Außerdem konnten positive Effekte auf den Lernerfolg von Schüler*innen festgestellt werden, welche unter anderem durch eine erhöhte Motivation und Lernbereitschaft begründet werden konnten3. Der Einsatz lebender Tiere im Biologieunterricht bietet die Möglichkeit, fachliche Inhalte mit authentischen Erfahrungen zu verknüpfen. Ein Aquarium stellt dabei ein besonders geeignetes Modell dar, um zentrale biologische Basiskonzepte anschaulich zu vermitteln. Es kann als vereinfachtes Ökosystem betrachtet werden, in dem Stoffkreisläufe, Wechselwirkungen zwischen Organismen sowie Anpassungen an Umweltbedingungen beobachtbar sind. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, verschiedene Themenbereiche des Bildungsplans – insbesondere aus den Bereichen Ökologie, Evolution und Systembiologie – miteinander zu verknüpfen. Auch das Trainieren prozessbezogener Kompetenzen wie dem Planen und Durchführen von Experimenten, Bewerten biologischer Sachverhalte, sowie dem Ableiten und Umsetzen konkreter Handlungsoptionen für das eigene Aquarium können in der Praxis vermittelt und geübt werden.
Um all diese Bereiche abzudecken und Ihnen eine übersichtliche Auswahl an möglichen Themenschwerpunkten zur Verfügung zu stellen, gliedert sich der Blog nun in die folgenden Teilabschnitte:
- Das Kampffischaquarium in der Praxis
Hier finden Sie alle Tipps und Tricks, die es bei der Einrichtung eines Kampffischaquariums zu beachten gilt. Das gemeinsame Einrichten und Aufstellen des Aquariums kann flexibel mit den anderen Bildungsplaninhalten verknüpft und in den Unterricht eingebunden werden. Einen besonderen Mehrwert bietet es dabei für die Schüler*innen, wenn die Aquarienplanung im Anschluss an die Einheit zur Ökologie in der Klasse stattfindet. - Ökologie: Die Angepasstheit von Betta splendens an seinen natürlichen Lebensraum
Hier beschäftigen wir uns mit dem Labyrinthorgan als spezielle Angepasstheit des Kampffisches an seine Umgebung, welche wir in der Praxiseinheit so authentisch wie möglich nachzubilden versuchen. Der siamesische Kampffisch kann dabei sowohl in den Klassen 9/10 als auch in der Oberstufe als Modellorganismus eingesetzt werden, um die zentralen biologischen Konzepte zu erarbeiten. - Der Stickstoffkreislauf im Aquarium
Ebenfalls im Themengebiet der Ökologie verankert, allerdings nur im Leistungsfach der gymnasialen Oberstufe, ist der Stickstoffkreislauf. Daher wurde dieses Kapitel getrennt von den restlichen ökologischen Themen aufgeführt. Hier bietet sich das Einrichten des Aquariums besonders an, da die Schüler*innen während der Einfahrphase des Beckens selbst beobachten und sogar messbar machen können, wie sich ein ökologisches Gleichgewicht von Bakterien und restlichen Organismen einstellt. - Evolution und Reproduktion des Kampffisches
Auch dieses Kapitel kann in den Klassenstufen 9/10, sowie der Kursstufe unterrichtet werden und fasst insbesondere das Sozialverhalten im Kontext von Fortpflanzung und Evolution in den Blick. Eng verknüpft damit ist das Kapitel zur Ökologie, da das Vorhandensein des Labyrinthorgans auch verhaltensbiologisch relevant ist4. Die beiden Kapitel können sowohl unabhängig voneinander, als auch eng verzahnt betrachtet werden.
- 1 Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Bildungsplan Biologie 2016 – Überarbeitete Fassung (V2) vom März 2022. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2022). Online-Fassung, PDF/HTML verfügbar über Lehrerfortbildung BW.
- 2 Kultusministerkonferenz (KMK). Bildungsstandards im Fach Biologie für die Allgemeine Hochschulreife. Beschluss vom 18.06.2020. Kultusministerkonferenz (2020). Online verfügbar unter: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2020/2020_06_18-BildungsstandardsAHR_Biologie.pdf
- 3 Gee, N. R., Griffin, J. A., & McCardle, P. (2017). Human–Animal Interaction Research in School Settings: Current Knowledge and Future Directions. AERA Open, 3(3), 2332858417724346. https://doi.org/10.1177/2332858417724346
- 4 Lissmann, H.-W. (1932). Die Umwelt des Kampffisches (Betta splendens Regan). Zeitschrift für vergleichende Physiologie, 18(1), 65–111.
